Kraxe Wandertrage – Eine Alternative zum Babytragen: Praktische Lösung oder unbequemer Kompromiss?
In einem vergangenen Urlaub hatten wir die Möglichkeit, über unser Hotel eine Kraxe zu leihen. Für mich als leidenschaftliche Trageberaterin war das super spannend. Denn manchmal fragen mich Eltern in meinen Beratungen danach, besonders wenn es ums Wandern im Sommer geht. Aber ist eine Kraxe wirklich eine gute Alternative?


Was ist eine Kraxe und für wen ist sie gedacht?
Kraxen sind spezielle Tragegestelle mit integriertem Rahmen und Rucksackfunktion, die besonders beim Wandern oder bei längeren Ausflügen eingesetzt werden. Das Kind sitzt in einer Art Sitz, oft mit Fußstützen, während das Gestell auf dem Rücken des Tragenden ruht. Vergleichbar mit einem Trekkingrucksack. Es gibt zwei verschiedene Varianten: Einmal mit Fußschlaufen. Diese Variante stelle ich Euch in diesem Beitrag vor. Und ein neues Modell von Thule (bislang die Einzige in dieser Form) mit einem Beutel als Sitz, ähnlich dem Tragetuch.


Vor- und Nachteile einer Kraxe im Alltag
Zur Ausgangslage: Beim Test war mein Sohn etwa 105 cm groß, meine Tochter 9 Monate alt und hatte frisch gelernt, von alleine sich hinzusetzen. Warum diese unterschiedlichen Angaben, einmal Größe und einmal Alter mit Bewegungsentwicklung? Die Mindestanforderung für eine Kraxe ist, dass das Kind eine gewisse Muskulatur besitzt, um sich auch halten zu können. Denn anders als bei einer Trage stützt nicht das Gestell, sondern das Kind muss sich selbst stabilisieren. Am besten ist es, wenn die Kinder bereits laufen können. Mindestens sollten sie aber von alleine sich aufsetzen können. Vorher fehlt es noch zu sehr an Muskulatur für den Ausgleich und Halt. Bei meinem Sohn, der rund 3 Jahre älter ist, war der limitierende Faktor die Größe. Wir kamen hier ganz langsam an unsere Grenzen. Beim Einstellen der Sitzhöhe und der Schlaufen für die Füße kamen die Oberschenkel nicht mehr auf Hüfthöhe, was zu eingeschlafenen Beinen nach einer Weile führte.
Ein großer Vorteil für mich war der Raum für die Trinkblase. Als ehemalige passionierte Ultra-Trailläuferin fiel mir dieser Stauraum gleich auf und ich fühlte mich an Zeiten erinnert, in denen man während der Bewegung trinken konnte, ohne nach einer Flasche greifen zu müssen 🙂 Toll ist natürlich auch der zusätzliche Stauraum, denn seien wir mal ehrlich: alleine mit einem Kind unterwegs und Trage: da kann es schonmal eng werden mit dem Platz und kreative Lösungen, nicht immer bequem, müssen her. Hier war unter dem Sitz ein großer Stauraum, was für eine gute Gewichtsverteilung sorgte. Weniger praktisch empfand ich den Zusatz-Rucksack hinter dem Kind, denn dieser sorgte für einen noch weiter hinten liegenden Schwerpunkt. Für mich alleine hätte ich den also nicht nutzen wollten. Hier sind wir auch schon beim größten Nachteil: Der Schwerpunkt. Anders als bei einer Babytrage, die ich körpernah trage, ist der Schwerpunkt von meinem Körper weg. Es zog mich etwas nach hinten. Ich hätte für eine sichere Wanderung im Gelände definitiv Trailstöcke benötigt (und empfehle diese grundsätzlich dazu!)
Die Kraxe ließ sich für das Kind gut verstellen: Die Sitzfläche konnte hoch- und runtergestellt werden, um die Höhe des Oberkörpers und damit des Sichtfeldes anzupassen. Auch die Fußschlaufen ließen sich in einem gewissen Umfang verstellen. Idealerweise stellt man beides in Kombination so ein, dass die Oberschenkel des Kindes mindestens auf Hüfthöhe sind. Sie sollten nicht herunterhängen (denn wer von uns lässt beim Barhocker schon gerne die Beine frei herunterschwingen? Das ist vergleichbar).
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Vorteile |
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Nachteile |
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Wichtig: Durch den fehlenden Körperkontakt und da sich das Kind nicht bewegt, muss es anders (ggf. wärmer) angezogen werden als in einer Babytrage.
Was solltest Du beim Kraxen-Kauf oder Leihen beachten?
- Passform für Dein Kind testen (auch hier, wie bei einer Babytrage, passt nicht jedes Modell bei jeder Größe ideal)
- Sitzhöhe & Fußschlaufen/Steigbügel müssen einstellbar sein und entsprechend richtig eingestellt werden: Knie auf Hüfthöhe.
- Sicherer Stand des Gestells beim Abstellen, Anschnallgurte unbedingt verwenden!
- Zuladung berücksichtigen. Je näher am Körper, desto besser
- Gute Verstellbarkeit für die tragende Person (Höhe der Kraxe, Polsterposition)
- Im Gelände sind Trailstöcke empfehlenswert zur Stabilisation
Alternativen zur Kraxe
Wenn Dein Kind noch nicht selbständig ins freie Sitzen kommt oder Du Dich mit dem Tragegefühl der Kraxe nicht wohlfühlst: Auch mit einer guten Tragehilfe oder einem atmungsaktiven Tragetuch und der passenden Bindeweise lässt sich beim Wandern gut tragen. Vorausgesetzt, es sitzt korrekt und körpernah.

Mein Fazit als Trageberaterin
Eine Kraxe kann eine gute Ergänzung sein, aber sie ist kein Allheilmittel. Ich empfehle, sie wie jede Tragehilfe nach Euren Bedürfnissen, der Körpergröße des Kindes und Eurem Alltag auszuwählen. Und: Lasst Euch im kompetenten Outdoorladen beraten oder testet verschiedene Modelle, wenn möglich.
Du möchtest Dir von mir eine Bindeweise mit dem Tuch zeigen lassen, die sommergeeignet ist? Oder einfach mal eine neue (luftige) Trage probieren? Schau Dich in meinem Sortiment um oder schreibe mir gleich eine Nachricht für Deinen Termin zur individuellen Trageberatung
